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Katastrophenschutzübung auf der A94

Am 1. Oktober 2019 wurde die umstrittenste Autobahn Deutschlands mit der Fertigstellung des letzten Teilstückes von Pastetten östlich von München über Dorfen nach Heldenstein für den Verkehr freigegeben. Mit einer Strecke von 33 Kilometern und Kosten in Höhe von rund 440 Millionen Euro. Doch was haben die Dorfener Pfadfinder vom Stamm Aar mit „eine[m] der naturzerstörendsten und flächenfressendsten Vorhaben, das mit Hunderten Millionen Steuergeldern finanziert worden ist“ (Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz) zu tun? In erster Linie nichts.

Doch bevor die Autobahn eröffnet werden konnte, musste am 14. September 2019 eine großangelegte Katastrophenschutzübung stattfinden. Ein Probeeinsatz mit hunderten Hilfskräften aus den umliegenden Landkreisen, um sich auf das Szenario Busunfall vorzubereiten. Und wir Weltenbummler waren die „Opfer“ bzw. Statisten des Unglücks. Um 7:30 Uhr wurden wir vom Bayerischen Roten Kreuz im Feuerwehrhaus Obertaufkirchen gebrieft und geschminkt. Jeder der 40 Teilnehmer aus der Wölflings- und Pfadfinderstufe, der Gruppenführer und der teilnehmenden Eltern bekam einen Namen und eine Beschreibung der Verletzung. Von verwirrten Gruppenführern über leichte Gehirnerschütterungen bishin zu gebrochenen Gliedmaßen und offenen Wunden war alles dabei. Und diese wurden professionell geschminkt wie im Film. Denn alles sollte echt sein und einen realistischen Unfall darstellen.

Im Anschluss wurden wir in einem kleineren Bus zum Unfallort auf der A94 gefahren. Dort hatte das Technische Hilfswerk schon einen alten 50-Sitzer-Bus quer gelegt – darunter ein Auto. Denn das Übungsszenario war folgendes: Zwischen den Anschlussstellen in Obertaufkirchen und Heldenstein kam dem Bus in Richtung Passau auf Höhe Klebing bei Rattenkirchen ein Geisterfahrer entgegen. Es kam zum Frontalzusammenstoß: Das Auto hat den Reisebus – besetzt mit 40 Kindern und Betreuern – umgeworfen und der Bus das Auto teilweise unter sich begraben. Es lagen auch schon schwer verunglückte Puppen auf der Straße bzw. im Auto. In voller Aufregung kletterten wir mühsam durch die gebrochene Fahrertür und Dachluke des Busses hinein und platzierten uns mit unseren gespielten Verletzungen im Bus und dann wurde es spannend – denn wir warteten auf das Eintreffen der ersten Einsatzkräfte, die uns befreien sollten. Und das hat lange gedauert.

Endlich kam die Feuerwehr und wir spielten so gut es ging unsere Rollen. Die Gruppenführer, Eltern und Kinder im Bus schrien um Hilfe, auch Schmerzensschreie waren dabei. Doch all das brachte nicht viel, denn noch konnte niemand zu uns, wir waren eingesperrt im Bus. Es vergingen viele Minuten, fast schon eine halbe Stunde, bis die Vorsichtung in den Bus kam und uns kategorisierte: Rot (akute, vitale Bedrohung), Gelb (schwer verletzt/erkrankt), Grün (leicht verletzt/erkrankt) und Blau (ohne Überlebenschance, sterbend). Erst nachdem die Vorsichtung fertig war, wurden wir von Feuerwehrmännern und Rettungssanitätern einzeln je nach Dringlichkeit aus dem Bus geholt und Notärzten im errichteten Sanitätszelt gebracht. Viele waren nur leicht verletzt und konnten sich schon vor Ort nach der Behandlung eine erste Brotzeit holen, andere wurde nach der Ersthilfe sofort im Krankenwagen zum nächsten „Krankenhaus“ gefahren. Das war das Feuerwehrhaus in Heldenstein, wo für alle zum Schluss der Übung ein gemeinsames Mittagessen wartete.

Wir bedanken uns bei unseren Teilnehmern, allen Einsatzkräften vor Ort und den Organisatoren der Übung für den reibungslosen Ablauf und den tollen Einblick in das Geschehen eines Katastrophenfalls. Wir konnten alle – klein und groß – spannende Eindrücke mitnehmen und wir freuen uns, dabei gewesen zu sein. Allzeit bereit.

Presseartikel zur Übung: https://www.innsalzach24.de/innsalzach/region-muehldorf/schwindegg-ort75366/schwindeggheldenstein-katastrophenschutzuebung-thw-feuerwehr-autobahnmeisterei-13001097.html

Presseartikel zur Eröffnung: https://www.focus.de/auto/news/isentalautobahn-die-umstrittenste-autobahn-deutschlands-wird-nach-42-jahren-eroeffnet_id_11198001.html